E-Books – Das kann doch nicht so schwer sein.. 12


Ich lese für mein Leben gerne. Mit 6 hat mich die Sucht nach den gedruckten Lettern erfasst. Seit dem habe ich an die 1000 Bücher gelesen. Schrank um Schrank hat sich mit den vielen Büchern gefüllt, so dass zeitweilig mein ganzes Zimmer voll Druckwerk stand.
Beim letzten Umzug dann konnte ich meine Bücher nicht mitnehmen. Bis auf ihre Funktion als Abzeichen meiner Belesenheit hätten sie in der neuen Wohnung keinen Zweck erfüllt, wären verstaubt um schließlich auf dem Altpapier zu landen – ganz abgesehen dass ich in meiner kleinen Wohnung auch gar keinen Platz für die vielen Bücher gehabt hätte.

Es ist unglaublich wie viel Energie und Holz für jedes Buch, für all die Zeitungen und Magazine verbraucht wird.
Erfreut war ich daher vor über 10 Jahren als ich von der Erfindung des elektronischen Papiers hörte. Ich habe mir als Kind der Generation 386’er schon damals gewünscht und vorgestellt, wie es sein könnte alle Bücher auf einem Gerät mitzunehmen und bequem lesen zu können.
Heute ist die Technik ausgereift es gibt eine Menge benutzbarer E-Book-Reader. In den Vereinigten Staaten probiert Amazon mit dem Kindle den Büchermarkt zu revolutionieren.

iliad

Vor einiger Zeit habe ich mir also auch einen E-Book-Reader gekauft – einen IRex Iliad und bin damit prinzipiell recht zufrieden. Mit dem Gerät meine ich – den es gibt ein riesiges Problem:
Ich frage mich nämlich ernsthaft wie ich legal an E-Books kommen soll. Es ist lächerlich aber in Deutschland gibt es keine bequeme Möglichkeit dazu. Die wenigen Bücher, die es gibt sind kopiergeschützt und werden in nahezu unutzbaren propriätären Formaten angeboten. Es werden eigen Süppchen gekocht anstelle sich auf offene Standards zu einigen. Die Bücher sind genauso teuer wie die gedruckte Ausgabe inkl. Versand. Zudem ist die Suche nach den elektronischen Büchern bisher vollkommen unintuitiv.
Von deutschen Tageszeitungen oder Magazinen, die bequem auf meinen E-Book-Reader lesbar wären habe ich ebenfalls noch nichts gehört. Dabei landen gerade die bei mir nach wenigen Tagen auf dem Müll. Anscheinend verpassen hier die Verlage eine Chance und machen genau die gleichen, hirnverbrannten Fehler, wie die Musikindustrie. Aus lauter Angst vor Raubkopien meidet man das veröffentlichen von E-Books, wagt sich nicht auf den neuen Markt und wenn doch verkrüppelt man den Inhalt in einer Weise, die die Nutzung zu einer Qual macht.

Solange ich meine E-Books einfacher und schneller als Torrent finden und herunterladen kann – ohne DRM und auf meine E-Book-Reader laufend dann werde ich kein Geld in E-Books investieren – obwohl ich wirklich eine Person bin, die den Wert geistigen Eigentums achtet. Ich warte verzweifelt darauf, das die derzeitige Wüstenlandschaft in diesem Bezug ausgefüllt wird.
Vielleicht erbarmt sich ja sogar Amazon. Ich frage mich sowieso, warum man nicht probiert die Kindle Erfolgsgeschichte auf dem deutschen Markt zu wiederholen. Warum wird die Chance nicht erkannt – warum spart man sich als Verlag kein Geld, warum zwingt man Kunden dazu sich mit unbequemen Lösungen behelfen zu müssen.

Wenn man sich mit offenen Augen umguckt, sich mit Sinn und Verstand und ohne ein Brett vor dem Kopf darum bemüht eine für alle Seiten bequeme und befriedigende Lösung in diesem Bereich zu finden können wir alle davon profitieren. Die Umwelt, die Autoren, die Verlage und all jene die bereit sind für guten Inhalt und guten Service ehrlich Geld auszugeben.

Ich kann nur hoffen, dass ich beim nächsten Umzug alle meine Bücher mitnehmen kann, all die alten Erinnerungen gebannt auf einem Gerät. Vielleicht muss ich dafür aber noch 10 weitere Jahre warten. Ich befürchte es fast.


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12 Gedanken zu “E-Books – Das kann doch nicht so schwer sein..

  • SES

    In der aktuellen Technology Review ist auch ein Artikel über E-Books zu finden. Aber leider bin ich noch nicht bis zu dem vorgedrungen, bin erst beim Bericht über den Rückbau des AKW Greifswald, der übrigens sehr lesenswert ist.

  • Rocu

    Großartig (nicht wirklich) ist übrigens die Zeit. Anstelle die Onlien Ausgabe E-Book gerecht aufzubereiten wird einfach ein PDF erzeugt das 1 zu 1 der Druckausgabe entspricht und sich selbst auf einem 24 Zoll Monitor nicht bequem lesen lassen würde.

    Der Gipfel dieser unart ist, dass am Ende der Seiten noch Schwarz cyan magenta und yellow für die Druckerei steht. Äusserst schade.

  • papo

    Hallo

    Amazon versucht den Kindle in Deutschland einzufuehren, scheitert aber an den Mobilfunk-Providern. Eines der coolen Features vom Kindle ist, dass man im Amazon Store ein Buch kauft und dieses dann direkt auf das Geraet uebertragen wird – ohne Kabel oder laufenden Computer. Das ist insbesondere bei Tageszeitungen sehr angenehm, da so fuer das taegliche Herunterladen der neuen Ausgabe kein Computer laufen bzw. in der Naehe sein muss. Amazon und die genannten Provider sind sich nicht ganz einig, wieviel sowas kosten soll.

    Leider ist das Format, in dem die Buecher im Amazon Store daherkommen, ebenfalls miz DRM versehen.

  • Rocu

    Man muss sich doch einigen können mit Amazon – schließlich kostet der Versand von Büchern mit der deutschen Post ja auch eine Menge Geld – der durchschnittliche Roman wird mit ein paar hundert Kilobyte da doch kein Problem darstellen – besonders weil es ruhig ein paar Minuten dauern dürfte bis er auf dem Kindle ankommt.

    Ich glaube das mit dem DRM ist auf die Angst der Verlage zurückzuführen. Schlechte Sache auch beim Kindle: Der Kindle 2 kann recht gut Bücher vorlesen. Auf Wunsch einiger Verlage wurden aber einige Bücher mit einem Killbit davor geschützt, damit Hörbücher gekauft werden.

    Das ist doch vollkommen kurzsichtig! Mit Ebooks eröffnen sich viele neue Möglichkeiten, von der Volltextsuche in Fachbüchern bis hin zum kopieren von Textpassagen für den persönlichen Gebrauch über die Vorlesefunktion bis hin zu sonst was. Hätten wir hier eine Lösung wie den Kindl, würde vermutlich niemand in Versuchung zu kommen zu „stehlen“.

    Interessant auch: Tageszeitungen könnten ihren Abonenten einem EBook-Reader schenken. Das würde sich nach bereits 6 Monaten rentieren. Warum passiert das nicht?

    Man kann sich da nur am Kopf kratzen..

  • Kürbiskern

    Also, ich muss dem hier mal widersetzen! Es gibt eine Reihe von E-Books in E-Bookreaderformaten, die frei zugänglich sind. Auf der Webseite http://www.epubbooks.com gibt es viele solcher E-Books im EPUB-Format. Auf http://www.gutenberg.org/ gibt es ebenso eine Reihe von Büchern im offenen EPUB-Format sowie in PDF. Die meisten der elektronischen Bücher sind allerdings auf Englisch, aber deutschsprachige sind auch zu finden. Zur Situation der Tageszeitungen: Die Berliner Tageszeitung beispielsweise bietet seit neuestem ein Abonnement im EPUB-Format an.
    Den Grund für den relativ langsamen Fortschritt in der E-Bookwelt sehe ich darin, dass noch viel zu wenig Leute überhaupt ein Lesegerät haben und es somit auch (noch) nicht lohnt so viel Energie darein zu stecken. Momentan sind diese Geräte für die meisten viel zu teuer, um überhaupt daran zu denken sich eins zu kaufen. Und natürlich spielt da auch die Macht der Gewohnheit mit rein: Schrift auch Papier zu lesen ist für die meisten angenehmer als auf einem Bildschirm.

  • Robert Curth

    Fair enough. Das Project Gutenberg hat in der Tat einige Bücher im epub-Format. Aber das sind Bücher, die älter als 75 Jahre sind oder die durch andere Bestimmungen keinem Urheberrecht mehr unterliegen.

    Die Berliner Tageszeitung war mir für die löbliche Aufbereitung seiner Inhalte nicht bekannt – allerdings möchte ich gerne zB die Süddeutsche Zeitung und die Zeit beqeuem auf meinem E-Book-Reader lesen können.

    Das E-Books teuer sind, das ist zwar richtig – Druck und Zustellung sind aber auch teuer und besonders Tageszeitungen könnten, wie bereits erwähnt, ihren Kunden bereits ab einem kurzen Abozeitraum rentabel E-Bookreader zur Verfügung stellen.

    Das Argument der besseren Haptik von Papier kann ich nachvollziehen – allerdings halte ich zb Zeitungen für vollkommen unpraktisch in Bus und Bahn. Auch Bücher für Schule und Bildung skalieren nicht und werden schnell schwer – können zudem auch nicht einfach gleichzeitig in analoger Form durchsucht werden.

    Von daher lieber @Kürbiskern kannst du Dich zwar gerne widersetzen – mein Forderung bleibt trotzdem sinnvoll und berechtigt.

  • Kürbiskern

    Deine Forderung kann gerne berechtigt bleiben, aber das Rad wurde auch nicht an einem Tag zum alltäglichen Umgang erklärt.

    Keiner stürzt sich gern ins kalte Wasser ohne zu wissen, ob es sich rentiert. Besonders die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen und das momentan bestehende Urheberrecht behindern eher den Fortschritt von E-Books.

    Wie das Angebot von elektronischen Ausgaben in Readerformaten bei anderen Zeitungen und Zeitschriften aussieht, weiß ich leider nicht. Ich habe nur gestern zufällig gelesen, dass die Berliner Zeitung sowas anbietet.

    Im Hauptartikel wurde keine zeitliche Eingrenzung der gesuchten E-Books gemacht. Deswegen habe ich das Projekt Gutenberg genannt. Ich lese auch gern Bücher dieser Art. Was ich aber vermisse, sind bezahlbare/freie E-Books im wissenschaftlichen Bereich. PDF zähle ich hier nicht dazu. Da kann ich die genannten Argumente bestens nachvollziehen.

    Ich muss auch dazusagen, dass die Technik der E-Bookreader noch verbesserungswürdig ist. Den Kindl kenne ich nicht sonderlich gut, dafür den Sony PRS-505 (das aktuellste Modell von Sony). Der ist meiner Meinung nach noch sehr rückständig. Volltextsuche, Vorlesen, Markieren, etc. sind nicht möglich, die Verarbeitung ist langsam und PDFs lassen sich nur ungenügend darstellen.

    Also, so lange E-Bookreader so teuer bleiben und es kein breit gefächertes Angebot an E-Books gibt, wird sich die Allgemeinheit auch nicht für diese Themantik interessieren. Ich kenne genug Leute, die gar nicht wissen, was ein E-Bookreader ist.
    Uns wird nichts anderes übrig bleiben als uns zu gedulden 😉

  • Rocu

    Nicht alle Deutschen nagen am Hungertuch – trotz der steigenden Anzahl prekärer Beschäftigungsverhältinisse. Ich glaube 200 – 300 Euro können durchaus genug Leute für einen E-Book-Reader ausgeben. Das Geld für solche Gadgets hat natürlich nicht jeder – aber wie man beispielsweise an dem Erfolg der Netbooks sieht hätte das durchaus Chancen.

    Nur: wo es kein Angebot für Inhalt gibt, werden natürlich auch keine Geräte gekauft. Evtl. ist das einfach ein Henne-Ei Problem.

    Ansonsten liegen wir dann ja doch ziemlich auf einer Linie @Kürbiskern. Auch ich lese durchaus gerne mal ältere Bücher – aber ein E-Book-Reader ist erst dann wirklich nützlich, wenn ich jedes Buch darauf lesen und dafür bekommen kann.

  • Kürbiskern

    Lasst uns ‚einfach‘ die richtige Partei wählen (wenn es die überhaupt gibt), das Urheberrecht wissenschaftsfreundlich machen und den Unternehmen ihre (durchaus berechtigte) Angst vor Miserfolgen nehmen.

    Auch, wenn das das sehr utopisch ist, beschleunigen könnte man den Fortschritt so mit Sicherheit. ^^